Sehr, sehr lange habe ich darüber nachgedacht, einen Kurs zu entwickeln, der sich um die Stille dreht. Ich weiß gar nicht, warum so lange darüber nachdenken musste. Für mich ist Stille etwas Großartiges. Aber ist die Stille für andere Menschen etwas großartiges?

Manchmal möchte ich die Frage stellen:

Weißt du, dass die Stille der Rahmen ist, in dem die Welt sich entfaltet?

„Am Anfang war des Wort“, heißt es im Johannesevangelium. Aber das stimmt gar nicht. Das Wort ist bereits die patriarchale Weiterentwicklung einer Gesetzmäßigkeit. Da haben schon Buchstaben und Grammatik stattgefunden.

Am Anfang waren Raum und Klang. Energie entfaltete sich in einer Schwingung. Ein Ton traf auf eine Resonanz. Vielleicht reiste ein Tropfen Kondenswasser aus der göttlichen Quelle ins Universum hinein.

Stille meint nicht die Freiheit von Geräuschen. Die Welt des Lebendigen ist voller Klänge. Jeder Körper ist voller Klänge. Wenn unsere Wahrnehmung nicht Filter einbauen würde, hörten wir ständig unser Her schlagen und unser Blut rauschen.

Stille meint einen Raum, in dem Offenheit und Weite herrschen, in dem sich etwas entfalten, in dem ein wirklicher Dialog stattfinden kann.

Töne und Klänge sind nur deshalb zu hören, weil sie sich abheben vom Nicht-Ton und Nicht-Klang. Wenn alle schreien, kann niemand etwas verstehen. Wenn die Lüfte ständig voller Geräusche wären, wie würden wir dann miteinander kommunizieren? Wenn alle recht haben wollten, wie könnten wir dann eine Gemeinschaft herstellen?

Ich glaube, es war Laotse, der gesagt hat, das Wichtigste an einem Rad sei der Raum zwischen den Speichen. Ein Haus werde erst durch die Fenster bewohnbar. In beiden Fällen lässt das Nichts erst eine brauchbare Sache entstehen.

Mit der Freude und der Stille ist es ähnlich. Ja, es gibt die äußere Freude im Trubel einer Achterbahn oder Geburtstagsfeier. Die Freude allerdings, die völlig unabhängig von den äußeren Umständen da ist, ist eng befreundet mit der Stille des Innehaltens.

Während ich dies schreibe, schließe ich für ein paar Momente die Augen. Zuerst schreibe ich blind weiter und höre den Tasten zu. Dann mache ich gar nichts mehr außer Lauschen. Mein Körper sitzt und atmet. Plötzlich denkt mein Kopf, das Leben ist schön. Der Kopf beschreibt mit dieser Aussage ein Gefühl, das mich in diesem Augenblick erfüllt und von dem ich annehme, es ist immer da. Auch wenn es zugeschüttet ist mit 23 Dingen, die schwierig sind oder nicht gut laufen oder erledigt werden müssen.

Das Leben ist schön und voller freudiger Abenteuer, mit dieser Botschaft werden wir geboren. In der Stille können wir diese innere Ausrichtung wieder finden. Vielleicht nicht auf Anhieb, aber nach und nach. Jeder Moment der Stille bringt uns näher dorthin, wo wir einmal angefangen haben.

Das ist meine Anstiftung für diese Woche: finde immer wieder Zeiten der Stille. Befreunde dich mit dem stillen Raum, in dem Freude auftreten und die Bühne einnehmen kann, weil sie durch nichts anderes verdeckt wird. Wie zeigt sich deine innere Freude? Wie fühlt sie sich an?

Anstiftung zur Freude #128
PS: Den Kurs gibt es mittlerweile im 3. Jahr.

Schreib in den Kommentar, was du gefunden hast.