Eine Spur roter Herzen

In der letzten Zeit bin ich manchmal geradezu begeistert von mir und im Wesentlichen sehr zufrieden mit meinem Leben. Also habe ich angefangen, für jeden Tag, mit dem ich auf diese Weise einverstanden bin, ein rotes Herz in meinen Kalender zu malen. Die Herzen sehen sehr heiter aus zwischen und neben den Terminen. Schon nach wenigen Tagen bemerkte ich ein besonderes Phänomen: wenn mir etwas begegnete, das ich eher schwierig fand, fiel mir mehr oder weniger sofort die Reihe roter Herzen im Kalender ein. Ich wollte am Abend unbedingt ein weiteres Herz hinzufügen. Und merkte sehr deutlich, dass ich mich entscheiden konnte, ob ich der Spur des Zweifels, der Unruhe oder Unzufriedenheit folgen wollte oder ob ich nach dem nächsten besten Gedanken Ausschau hielt, der mich wieder mehr ins Lot brachte.

Dann begann ich mich zu fragen, was sind eigentlich die Voraussetzungen, damit ein Tag ein Herz bekommt? Nur ich bestimme die Kriterien. Muss ich den ganzen Tag hochgestimmt sein und durchs Leben hüpfen? Reichen wenige Momente der Freude? Braucht es eine bestimmte Anzahl von Haken hinter den Dingen, die es zu erledigen gilt? Gibt es eine Prozentzahl, die für oder gegen das Herz entscheidet? Wenn ja, eine Prozentzahl von was?

Ich habe mich bislang nur an einem einzigen Tag gegen ein Herz entschieden. Ich mochte den Tag in seiner Gesamtheit nicht. Wobei: der Tag konnte wenig bis nichts dafür. Wie jeder Tag hatte er 24 Stunden, schenkte mir sogar etwas Sonne und spannte den Bogen seiner Möglichkeiten auf. Die ich allerdings nicht so nutzte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Am nächsten Morgen fügte ich doch ein Herz für diesen Tag der Reihe rot leuchtender Herzen hinzu. Beim Nachdenken über die Kriterien für ein Herz wurde mir klar: die Tatsache, lebendig zu sein und zu atmen und mein Leben zu leben, mit allen Aufs und Abs und ruckeligen Momenten, ist Herzgrund genug. Die Voraussetzung dafür, dass ich mit Freude ein Herz male, ist lediglich, dass ich einverstanden bin mit meinem Lebendigsein. Dass ich es spüren kann. Das Lebendigsein. Und das Einverständnis.

Das kleine Spiel mit den roten Herzen hat mir einen großen Einblick geschenkt in meine innere Haltung. Ich denke täglich über meine Beziehung zum Leben nach in einer Weise, in der ich das bisher nicht getan habe.

Warum? Weil die Herzmalerei mir kindliche Freude beschert. Weil die Freudefunken, die die Vorstellung der roten Herzen in meinem Kalender entfacht, sich unmittelbar darauf auswirken, wie ich der Lebenserfahrung von Moment zu Moment gegenübertrete. Ohne dass ich darauf abgezielt hätte, haben mir die roten Herzen eine neue Tür geöffnet, Freude ins Leben einzuladen.

Ich stifte mich in dieser Weise selber immer wieder zur Freude an. Während ich dies schreibe – es ist sehr früh am Morgen – denke ich an das Herz, das heute Abend in meinen Kalender kommt. Was sollte geschehen, dass der Tag kein Herz „verdient“?

Was muss geschehen, dass dein Tag ein Herz bekommt? Was sind deine Kriterien? Was meinst du, wie viele Tage in diesem noch recht jungen Jahr für dich Herztage waren? Warum waren sie Herztage? Und warum nicht?

Ich habe vor einer guten Woche beschlossen, ich möchte in 2022 möglichst viele Menschen zur Freude anstiften. Das war, als ich nach einem Arbeitstag in Hamburg vom Bahnhof nach Hause fuhr. Ich überlegte, vielleicht kann ich in 2022 ein paar tausend Menschen zur Freude anstiften. Da bin ich gleich erschrocken. Huch, wie sollte ich eine solche Reichweite entfalten. Als nächstes fiel mir ein, dass ich durch meine Posts auf LinkedIn und Instagram jede Woche, konservativ geschätzt, an die 1000 Menschen erreiche. Also war ich schon weniger erschrocken von der Idee. Schließlich dachte ich: ich stifte in 2022 100.000 Menschen zur Freude an. Das hat mir SEHR gefallen.

Gleich am nächsten Tag fing ich an, mein Projekt #AnstiftungzurFreude 2022 herumzuerzählen. Plötzlich berichten mir Menschen, in welcher Weise sie sich von mir zur Freude angestiftet fühlen. Dass sie anfangen, mehr über Freude in ihrem Leben zu sprechen. Dass sie selbst andere zur Freude anstiften.

Ich stelle mir vor, wie die Freudefunken überspringen.

Für mich ist Freude eine revolutionäre Kraft. Und eine großartige Medizin. Denn: Menschen, die freudig gestimmt sind, sind vollkommen in ihrer Menschlichkeit gegründet und mit ihr verbunden. Du kannst nicht hassen, töten, missbrauchen, abwerten, ablehnen und gleichzeitig im Herzen freudig gestimmt sein.

Ich glaube, das ist der Grund, warum ich sämtliche Tage mit roten Herzen im Kalender versehe.

Das Maß von innerer Freude, die ich erfahren kann, ist ein Indikator, wie sehr ich in der Lage bin, mich mitfühlend auf alle Formen von Leben einzulassen. Das beinhaltet, sich auf mich selbst und die Art meiner eigenen Lebensgestaltung einlassen zu können.

Wenn du jetzt Lust hast, dich von Freudefunken inspirieren zu lassen und dich intensiver mit Freude als Lebensbegleiterin zu beschäftigen: komm mit zum nächsten Freudeabenteuer, folge der Spur der Freude während der Fastenzeit.

Die Online Reise auf der Spur der Freude beginnt am Aschermittwoch. Ab sofort bis zum 16. Februar ist sie zum Frühbucher*innenpreis zu haben. Hier erfährst du mehr darüber.

Der nächste Tee im Palast der Freude findet am 17. Februar um 19.30 Uhr statt. Du kannst dich hier für deinen kostenlosen Palastschlüssel anmelden. Wenn du dich schon einmal zum Palast der Freude angemeldet hast, bekommst du zukünftig automatisch den Palastschlüssel zugesendet. Natürlich kannst du dich jederzeit wieder abmelden.

Außerdem (Projekt 100.000 😊): ich versende künftig jeden Mittwoch eine kleine Anstiftung zur Freude. Impulse, Ideen, Hinweise rund um alles, was zu deiner persönlichen Freude beitragen könnte. Hier kannst du dich für dieses neue Format anmelden.

Viel Freude fürs Wochenende!

Herzliche Grüße

Eva Scheller

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