
Louise Glück schreibt in ihrem Essay „Education of the Poet“:
“Poet” must be used cautiously; it names an aspiration, not an occupation. In other words. Not a noun for the passport.
Ja warum denn eigentlich?
Who decides?
Ein wenig später schreibt sie in diesem Essay – das Zitat habe ich in die Bibliothek gestellt – „our task is to… insulate ourselves from opinion in its terminal form….“
Yes honey, genau.
Höre das Buch „Olive Kitteridge“ von Elisabeth Strout, das ich vor vielen Jahren gelesen habe, als Hörbuch an. Es ist so eine Meisterschaft, wie sie so viele Schichten dieser Figur in kleinen Sequenzen aufdeckt. Erinnert mich die Arbeit von Archäologinnen, die im Staub sitzen mit kleinen Pinseln und Scherben finden und bergen. Jahrtausendkomplexität. Tatsächlich erinnere ich mich nach all der Zeit noch an Handlungsfortgänge. Am Ende weiß ich nicht, wie ich die Person finde. Am Ende entzieht sie sich einem Urteil „in its terminal form“.
Mir scheint, jeder Mensch, wenn ich mit dem Pinsel sitze, draufgucke, berge, entzieht sich in der Komplexität dem Urteil in its terminal form.
Wenn ich übe, andere in ihrer Jahrtausend-Komplexität zu sehen, sehe ich mich dann auch in Mikroscherben und Schichten?
Bin in Venedig auf der Biennale. Sehe den Krieg in der Ukraine in den Topfpflanzen, die aus zerstörten Gebäuden gerettet wurden.
Bin so mit Hinschauen beschäftigt, dass es mir manchmal das Herz bricht.
Kann ich mit der Zärtlichkeit auf mich schauen, die mir das Herz bricht?
Herz brechen als bedingungslose Offenheit. Kein Schutzwall nirgends.
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