Ich sitze im Co-Working des Magnetproduktclub, den Maren Martschenko aus der Taufe gehoben hat. Das Gespräch dreht sich darum, ob strukturiertes Arbeiten es erlaubt, auch mal vom Weg abzuweichen.
Maren bricht eine Lanze fürs Mäandern und fügt hinzu, das habe sie von mir, das Wort.
Na, falls ich jemals vergessen haben sollte, warum ich im MPC bin, jetzt weiß ich es wieder. Um ab und an erinnert zu werden, was ich früher schon gesagt, getan, geschrieben habe. Weil meine frühere Webseite untergegangen ist, hilft mir die Suchfunktion. Und hurra, da finde ich den Eintrag vom November 2021:
Das Mäandern haben die alten Griechen erfunden. Für sie war es ein heiliges Prinzip. Das Prinzip sagt: das Alte rollt sich zusammen, das Junge entsteht an seiner Stelle. Unsterblichkeit durch ständiges Gehen und Vergehen. Rückzug und Entfaltung im ewigen Wechselspiel.
Ich sage, mäandern ist mein liebstes Verb, weil ich am liebsten denkend, schreibend, arbeitend herumrolle, in Schleifen, Kreisen und Kurven gehe, mich vor und zurück bewege und eine Menge Raum beanspruche fürs Finden, Verwerfen und neu Entdecken. So kann ich viel einsammeln auf meinen nicht-linearen Pfaden. Alles ein bisschen mit mir rumtragen. Manches zwischendrin wieder ablegen. Und am Ende genau das behalten, was ich suchte, ohne es benennen zu können.
Damit sie ihr heiliges Prinzip immer vor Augen hatten, schufen die alten Griechen ein Ornament. Die Mäander:

Sie meinten, der Gott Eros und die sich unendlich erneuernde Energie des Kosmos sei darin zu finden.
Ich meine, mein Mäandern folgt keinem rechten Winkel, und dass die Mäander der Venus so aussieht:

Rückzug und Entfaltung im steten Wechsel. Das eine Alte wächst ins andere andere Neue. Eine ursprünglich sehr weibliche Energie im ewigen Kosmos. Die alten Griechen haben das vielleicht noch ein bisschen einseitig betrachtet.
Und übrigens: Flüsse mäandern, weil das Wasser unterschiedlich schnell fließt. Innen schneller als außen, im Lauf der Zeit bilden sich Schleifen. Die Schleifen sind die Mäander. Vielleicht stehe ich deshalb so gern auf Brücken und schaue dem fließenden Wasser nach.
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